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GLASWELT Sonderheft Montagepraxis 2013

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Montagepraxis Meinung Produktion top – Montage flop? Optimierungen im Fensterbau auch an der Baustelle – Die Fensterbranche optimiert in den Bereichen Zulieferlogistik, Produktion und IT. Die eingesparten Sekunden in der Produktion werden anschließend bei der Montage vernichtet. Die Branche benötigt dringend eine qualitative Verbesserung im Bereich der Montage, sagt GLASWELT Autor Walter J. Zürcher. _ Der internationalisierte Fenstermarkt entwickelt eine nie da gewesene Perfektionierung der Produktion und Logistik. Hersteller, Zulieferer, Maschinenfabrikanten, Planer und spezialisierte EDV-Firmen suchen nach noch schnelleren und effizienteren Produktionsmethoden. Die Zulieferer haben längst erkannt, dass man durch geschickte Logistikmodule die Produktion unterstützen kann und sich daraus eine starke Kundenbindung entwickelt. Das hoch industriell gefertigte Fenster wird zu einem austauschbaren internationalen Produkt – täglich durchqueren Lastwagen die Grenzen Europas und bringen Fenster von A nach B. Zusätzlich sollen beim Kunden neue Bedürfnisse geweckt werden. Fenster, Fassaden und Bedienungselemente sind Gestaltungsobjekte von Designern und Architekten. Weiter werden laufend neue Optionen mit verschiedenen Gläsern, neuen Sicherheitsstandards, ergonomischen Tipps zur Montageplanung Griffen, integrierter Wärmedämmung etc. gefunden. Diese Zusatzleistungen verursachen oftmals nur geringe Mehrkosten in der Produktion, aber damit steigt vielfach die innerbetriebliche Fehlerquote beim Handling der Aufträge, was bei der Auslieferung und Montage zu Fragen und Problemen führt. Somit wächst die Unzufriedenheit der Kunden und Auftraggeber, wenn die Fenster nicht mit den vereinbarten Optionen geliefert werden. Preisabschläge oder teure juristische Nachspiele sind die Folgen von solchen Entwicklungen. Diese optimierten Produktions- und Logistikprozesse werden vielfach auf der Baustelle innerhalb kurzer Zeit vernichtet. Dazu gehören falsche Maße, fehlende Transportgeräte, nicht vorhandene Einzelteile und eine ungenügende Kommunikation zwischen den am Bau beteiligten Firmen. Es stellt sich die Frage, wie die zukünftige Optimierung aussehen müsste und wie diese in den Verbesserungsvorschläge, die vor jeder Baustelleneröffnung angewendet werden: ■■Die Monteure erhalten im Voraus genaue Pläne und Listen mit den auszuführenden Arbeiten und Sie bestätigen den Erhalt mit einer Angabe über die vorgesehene Montagezeit. ■■Die Auslieferung erfolgt erst, wenn sämtliches Material für die Montage mitgeliefert werden kann. Anschließende Nachlieferungen und Anpassungen sind zu kostenintensiv. ■■Die Montageteams erhalten Informationen über den Anfahrtsweg und die vorgesehenen Parkmöglichkeiten. ■■Die Zulieferung, die Abladestellen und der Weitertransport auf der Baustelle sind genau festgelegt. ■■Die genauen Liefertermine sind einzuhalten und sollten in der Regel nicht während der üblichen Hauptverkehrszeiten erfolgen. ■■Etwaige Transportmittel wie Kräne, Lifte, Hebebühnen sind für den Baustellen internen Transport vorhanden. ■■Die Monteure kennen die zu montierenden Fenstersysteme und sind durch Schulungen vorbereitet worden. ■■Die Kommunikation zwischen den Kunden und Monteuren wird im Vorfeld der Montage aufgebaut. Es werden Namenslisten mit Telefonnummern ausgetauscht. ■■Bei der Montage von Ersatzfenstern sind die Nachbarn durch den Fensterlieferanten zu informieren. ■■Die elektronischen Logistiktools der Zulieferbranche müssen bei den Montageteams verstärkt eingesetzt werden, damit das Montagezubehör immer in genügender Menge vorhanden ist. Walter J. Zürcher ist selbst Schreiner und berät Firmen, Verbände und Organisationen im Bereich Marketing und Betriebsführung. Produktionsprozess integriert werden kann. Ohne Einbeziehung der zwischenmenschlichen Faktoren, wird sich in Zukunft keine neue Lösung ergeben. Die fachlich korrekte Kommunikation mit Monteuren, Planern, Herstellern und Zulieferern muss sich weiter entwickeln, wenn die Optimierungsziele erreicht werden sollen. Dazu gehören betriebsinterne technische Ausbildungen für Monteure im Bereich des elektronischen Bestellwesens, Schulung in Kommunikation innerhalb von Betrieben unter Einbeziehung der zahlreichen externen Montageteams. Deshalb gibt es nur einen Weg: Investieren Sie in die Weiterbildung und machen Sie Ihre Mitarbeitenden fit. Optimieren beim Bauen bedeutet, die Problemkreise möglichst klein zu halten und emotionale Diskussionen und juristische Nachspiele zu vermeiden. Dazu gehört der Kundenumgang mit freundlichem und geschultem Personal, das sich den Herausforderungen stellt und durch gute Umgangsformen auffällt. In zahlreichen Produktionsbetrieben wird die vermeintliche Kostenoptimierung durch Verminderung des Personalaufwands bewirkt. Diese Strategie hat in vielen Ländern dazu geführt, dass immer mehr unqualifizierte Mitarbeiter auf Baustellen arbeiten. Daraus entstehen zahlreiche Bauschäden mit enormen Folgekosten. Die Fensterbranche braucht neue Impulse im Kundenumgang, bei der Preisbildung und der Optimierung und Betreuung der Montageteams mit logistischen Hilfen. Die Basis zum Erfolg bilden bestens ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. — Walter J. Zürcher www.konzeptforum.ch Foto: Daniel Mund 12 glaswelt | Sonderheft Montagepraxis | www.glaswelt.de

Recht und Gesetz Montagepraxis Innungsbetriebe sind geschützt Wie entgeht man dem Soka- Bau Umlageverfahren? _ Wer den Tatbestand erfüllt, dass er mit seinem Unternehmen überwiegend baugewerbliche Tätigkeiten ausübt, muss sich am Tarifvertrag der Bauwirtschaft mit einem Umlageverfahren für Urlaubsentgelte und Zusatzrenten für Beschäftigte am Bau beteiligen. In letzter Zeit sind besonders Betriebe des Tischlerhandwerks, des Rollladenbauerhandwerks und des Metallbauerhandwerks von der Soka-Bau geprüft worden. Wenn man hier nicht vorbeugt, kann dann rückwirkend (bis zu vier Jahre) eine Summe zusammenkommen, die den Betrieb in den Ruin stürzen lassen kann. Für Tischler, Rollladenbauer und Metallbauer gilt die Soka-Pflicht insbesondere dann, wenn sie überwiegend Türen, Fenster und genormte Baufertigteile einbauen. Für diese Unternehmen gilt aber auch, dass sie eine Einbeziehung in das Sozialkassenverfahren des Baugewerbes unter bestimmten Voraussetzungen vermeiden können. Die GLAS- WELT hat zu dieser Problematik das Gespräch mit Hermann Hubing gesucht, dem Hauptgeschäftsführer des Fachverbands Leben Raum Gestaltung Die Brisanz des Themas wird anhand eines realen Beispiels klar: Ein Tischler steht vor dem Ruin, weil die „soziale“ Kasse, die Soka-Bau, ihm gegenüber Beiträge in Höhe von über 100 000 Euro eingefordert hat. Sein Problem: Er hat Fenstermontagen durchgeführt, was die Kasse zu den baugewerblichen Tätigkeiten gezählt hat. Doch dieser Problematik können sich Tischler und Schreiner auch entziehen. Hessen, da dieser für die gefundene Lösung mitverantwortlich ist. Hubing: „Das Problem besteht darin, dass das Baugewerbe einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag verabschiedet hat, der auch die Tischlertätigkeiten am Bau umfasst. Das ist natürlich für uns ein Ärgernis, da wir so gut wie überhaupt nicht von den Umlagesummen profitieren können. Deswegen haben wir nach langwierigen Verhandlungen auf Bundesebene mit den Gesprächspartnern der Soka Bau, dem Verband baugewerblicher Unternehmer, der Bauindustrie und mit der IG BAU eine Vereinbarung getroffen.“ Diese beinhaltet, dass ein Meisterbetrieb, also ein sogenannter A-Betrieb sich nicht am Umlageverfahren beteiligen muss, wenn: ■■Der ■■der ■■dieser Betrieb ein Mitglied in einer Innung ist, die auch mittelbar oder unmittelbar dem Bundesverband angehört, Landesverband einen gültigen Tarifvertrag abgeschlossen hat, Tarifvertrag von dem Betrieb auch angewandt wird, Hermann Hubing ist Hauptgeschäftsführer der hessischen und rheinland-pfälzischen Tischler und Schreiner. ■■der Betrieb überwiegend Tätigkeiten ausübt, die im fachlichen Geltungsbereich des Tarifvertrages liegen. Hermann Hubing legt in dem Gespräch Wert auf die Feststellung, dass es einen gültigen Tarifvertrag geben muss. „Wir hatten früher die Verträge mit den Christlichen Gewerkschaften und diese sind als unwirksam erklärt worden. Deswegen mussten wir – auch in Hessen und Rheinland-Pfalz – neue Tarifverträge mit der IG Metall abschließen.“ Und der Betrieb müsse natürlich auch im fachlichen Geltungsbereich des Tarifvertrages liegen – wenn das Unternehmen beispielsweise überwiegend Steinfußböden verlege, trifft die Regelung natürlich nicht zu, so Hubing. Für reine Montagebetriebe, also sogenannte B-Betriebe komme eine weitere Bedingung zur Vermeidung von Soka-Bau-Umlagen hinzu: Mindestens 20 Prozent der gewerblichen Arbeiten müssen von ausgebildeten Tischlern ausgeführt werden. „Wenn der Chef Tischler ist und 20 ungelernte Arbeiter beschäftigt, die die Fenster montieren, entgeht dieser trotzdem nicht dem Umlageverfahren,“ erläutert der Verbandsvorsitzende. Eine Sonderlösung gibt es noch für die Treppenbauer. Sowohl Tischler als auch Zimmerer stellen Treppen her und montieren sie. Hier habe man sich in der Vereinbarung darauf verständigt, dass entweder der Chef selbst Tischlermeister oder 50 Prozent seiner Mitarbeiter Tischler sein müssen. Dadurch wollte man seitens der Soka-Bau verhindern, dass ein Zimmerer sich bei der Tischlerinnung anmeldet und sich dadurch von dem Umlageverfahren ausschließen kann. Hubing rät allen Innungsbetrieben, falls Probleme mit der Soka Bau auftreten sollten, Kontakt mit dem Verband (distefano@tischler-hessen.de) aufzunehmen. „Wir haben die Vereinbarung getroffen, dass wir dann auf einem Formblatt mitteilen, seit wann der Betrieb Mitglied in unserem Verband ist.“ Ab diesem Eintrittsdatum sei der Betrieb dann auch vor dem Umlageverfahren geschützt. — Daniel Mund www.glaswelt.de | Sonderheft Montagepraxis | glaswelt13

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